Das Fundament: Lean-Prinzipien für eine schlanke Hygiene
Der Begriff „Lean Management“ stammt ursprünglich aus der Industrie, doch seine Prinzipien sind universell auf das Gesundheitswesen übertragbar. Es geht darum, Verschwendung zu eliminieren und jeden Arbeitsschritt konsequent auf den wahren Wert für den Patienten auszurichten.
1. Verschwendung im Hygienealltag erkennen
Der erste Schritt ist, die „blinden Flecken“ in Ihren Routinen aufzudecken. In der Hygiene gibt es sieben klassische Arten der Verschwendung:
- Unnötige Wege: Läuft das Reinigungspersonal ständig zwischen Lager, Patientenzimmer und Entsorgung hin und her? Ein einfaches Spaghetti-Diagramm, bei dem Sie die Laufwege einer Person auf einem Grundriss nachzeichnen, deckt ineffiziente Routen sofort auf.
- Wartezeiten: Muss eine Pflegekraft warten, weil Desinfektionsmittel nicht griffbereit ist? Oder weil ein Zimmer noch nicht freigegeben wurde?
- Überbearbeitung: Werden unkritische Flächen mit der gleichen Intensität desinfiziert wie Hochrisikobereiche? Eine klare Risikobewertung verhindert unnötigen Aufwand.
- Fehler und Nacharbeit: Falsch angesetztes Desinfektionsmittel oder eine vergessene Oberfläche erfordern teure und zeitaufwändige Korrekturen.
- Unnötige Bewegungen: Ist der Reinigungswagen so bestückt, dass sich das Personal ständig bücken, strecken oder suchen muss?
- Überflüssige Bestände: Zu viel gelagertes Material bindet Kapital und Platz.
- Ungenutztes Mitarbeiterpotenzial: Ihr Team weiß am besten, wo es hakt. Werden ihre Vorschläge gehört und umgesetzt?
Die konsequente Analyse dieser Punkte ist der Ausgangspunkt für ein schlankeres System. Es geht nicht darum, schneller zu arbeiten, sondern darum, überflüssige Arbeitsschritte zu eliminieren.
2. Den Wertstrom visualisieren
Nehmen Sie einen zentralen Prozess, zum Beispiel die Aufbereitung eines Behandlungszimmers oder Medizinprodukts. Skizzieren Sie jeden einzelnen Schritt – vom Betreten des Zimmers über das Reinigen, Desinfizieren bis zur Freigabe. Notieren Sie, wie lange jeder Schritt dauert und wo Übergaben stattfinden. Diese einfache Visualisierung zeigt Ihnen sofort, wo es zu Verzögerungen, Doppelarbeit oder unklaren Zuständigkeiten kommt.
Der Bauplan: Reinigungs- und Desinfektionspläne effizient gestalten
Ein gutes Hygienemanagement sowie ein Hygieneplan sind mehr als nur eine gesetzliche Pflicht. Sie sind die zentralen Steuerungsinstrumente für Effizienz und Sicherheit. Die Empfehlungen der KRINKO (Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention) geben den Rahmen vor, doch die wirklich effiziente Umsetzung liegt in der Detailgestaltung.
Von der Pflicht zur Kür: Der optimierte Plan
Ein praxistauglicher Reinigungs- und Desinfektionsplan beantwortet nicht nur die klassischen W-Fragen (Was, Wann, Womit, Wie, Wer?), sondern ist auch so aufgebaut, dass er die Arbeit erleichtert:
- Risikobasierte Priorisierung: Teilen Sie Flächen klar in Risikogruppen ein. Patientennahe Hochkontaktflächen erfordern eine höhere Frequenz und Sorgfalt als fußbodennahe, selten berührte Flächen. Das fokussiert den Aufwand dorthin, wo er die größte Wirkung hat.
- Visuelle Klarheit: Nutzen Sie Piktogramme und Farbcodes statt langer Textwüsten. Ein Blick muss genügen, um die richtige Maßnahme für eine bestimmte Fläche zu erfassen. Das reduziert Fehler und beschleunigt die Einarbeitung neuer Mitarbeitenden.
- Standardisierte Abläufe integrieren: Beschreiben Sie nicht nur, was zu tun ist, sondern auch die effizienteste Reihenfolge. Zum Beispiel das Prinzip „von oben nach unten“ und „von sauber zu unrein“, um Kreuzkontaminationen und doppelte Arbeit zu vermeiden.
Die Erstellung solcher Pläne ist ein zentraler Baustein jeder professionellen Hygieneberatung und stellt sicher, dass gesetzliche Anforderungen und praktische Effizienz Hand in Hand gehen.
Die richtigen Werkzeuge und Mittel bereitstellen
Effizienz beginnt mit der richtigen Ausrüstung. Ein optimal bestückter, ergonomischer Reinigungswagen, auf dem jedes Mittel und Tuch seinen festen Platz hat, kann die Rüstzeiten drastisch senken. Stellen Sie sicher, dass Dosieranleitungen und Einwirkzeiten direkt am Wagen verfügbar sind, um Anwendungsfehler und damit verbundene Risiken zu minimieren.
Der Motor: Personalaufwand senken, Motivation steigern
Die besten Pläne sind wirkungslos, wenn das Team nicht mitzieht. Prozessoptimierung im Hygienemanagement ist zu 80 % Change-Management. Ihr Ziel muss es sein, eine Kultur der kontinuierlichen Verbesserung zu etablieren, in der jeder Mitarbeitende Verantwortung übernimmt.
Zeitfresser identifizieren und eliminieren
Führen Sie (oder lassen Sie durchführen) stichprobenartige Zeitmessungen für Standardaufgaben durch. Nicht zur Kontrolle, sondern zur Analyse. Oft stellt sich heraus, dass ein erheblicher Teil der Zeit für unproduktive Tätigkeiten wie Suchen, Warten oder unnötige Wege aufgewendet wird. Durch gezielte Maßnahmen wie die dezentrale Lagerung von Verbrauchsmaterialien oder die Bündelung von Aufgaben lassen sich oft 15-20 % des Zeitaufwands einsparen – Zeit, die für eine sorgfältigere Ausführung der Kernaufgaben zur Verfügung steht.
Schulung als Effizienz-Booster
Regelmäßige, praxisnahe Schulungen sind unerlässlich. Demonstrieren Sie die effizientesten Reinigungstechniken direkt vor Ort. Erklären Sie nicht nur dass „Was“, sondern auch das „Warum“ hinter jeder Maßnahme. Wenn Ihr Team den Sinn einer Vorschrift versteht, steigt die Bereitschaft zur korrekten Umsetzung. Ein gut geschultes Team arbeitet nicht nur sicherer, sondern auch schneller und selbstständiger. Dies ist auch ein wichtiger Aspekt im Arbeitsschutz, da korrekte Abläufe die körperliche Belastung und das Infektionsrisiko für das Personal reduzieren.