Wann braucht eine Arztpraxis einen Hygienebeauftragten?

Der gesetzliche Rahmen für eine ordentliches Hygienemanagement

Die landesspezifischen HygMedVO legen fest, dass jede Arzt- und Zahnarztpraxis, in der invasive Eingriffe vorgenommen werden, bzw. jede Einrichtung für ambulantes Operieren (gem. §115b SGB V), einen Arzt mit der Zusatzqualifikation Hygienebeauftrage/r haben oder zumindest einen hygienebeauftragten Mitarbeiter (Arzt oder MFA) benennen muss. Zu invasiven Maßnahmen gehören unter anderem Blutentnahmen und Infusionen.

Durch das Infektionsschutzgesetz hat der Gesetzgeber die rechtliche Grundlage für das Hygienemanagement geschaffen. Es regelt dabei ganz klar die Anforderungen an eine möglichst sichere Hygienesituation in einem optimalen Behandlungsumfeld — es dient so dem Schutz der Patienten vor vermeidbaren Infektionen.

Gemäß §23 IfSG rücken die Prävention, Erkennung und Bekämpfung nosokomialer Infektionen in den Vordergrund und sind Hauptaufgaben des Hygienebeauftragten. So soll die Hygienesituation für die Patienten, aber auch für Mitarbeiter optimiert werden, eine Qualitätssteigerung der Behandlung sowie eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen sind dabei das Ziel.

Welche Qualifikationen benötigt ein Hygienebeauftragter

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen dem Hygienebeauftragten, die vom Arbeitgeber beauftragt sind sich “um die Praxishygiene zu kümmern” und den Hygienebeauftragten Ärzten. Der Hygienebeauftragte Arzt muss dafür eine mindestens 40-stündige Fortbildung besucht haben.

Hygienebeauftragter in einer Arzt- oder Zahnarztpraxis kann der Arzt / die Ärztin selbst oder ein nicht-ärztlicher Mitarbeiter sein. Um als nicht-ärztliche/r Mitarbeiter/in zur/zum Hygienebeauftragten in der Arztpraxis benannt zu werden, bedarf es keiner gesonderten Weiterbildung. Auch wenn diese natürlich sehr sinnvoll ist. Eine sichere und gute Alternative ist die externe Bestellung eines Hygienebeauftragten / Hygieneberaters.

Wird ein Hygienebeauftragter Arzt benötigt, muss es sich hierbei um einen Facharzt oder eine Fachärztin handeln, der/die zusätzlich eine 40-stündige Pflichtfortbildung absolviert hat. Allerdings ist die Bestellung von Hygienebeauftragten Ärzten nur für Krankenhäuser und Rehabilitationseinrichtungen einheitlich festgelegt. Für Arzt- und Zahnarztpraxen, ambulante OP-Zentren oder Tageskliniken gelten je nach „Verordnung über die Hygiene und Infektionsprävention in medizinischen Einrichtungen (HygMedVO)“ des jeweiligen Bundeslandes unterschiedliche Regelungen, die entsprechend berücksichtigt werden müssen.

Schulungsinhalte für Hygienebeauftragte in der Arztpraxis

Die Fortbildung zum Hygienebeauftragten kann bei unterschiedlichen Anbietern in den üblichen 40-stündigen Präsenzkursen oder in kombinierten Kursen mit E‑Learning absolviert werden. Die Inhalte werden in Anlehnung an die curricularen Fortbildungsangeboten der Bundesärztekammer sowie die Empfehlungen des Curriculums der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene e.V. (DGKH) und die Empfehlungen des Robert Koch Institut zusammengestellt. In der Regel gehören dazu folgenden Inhalte:

  • Rechtliche Grundlagen
  • Mikrobiologische Grundlagen
  • Standardmaßnahmen der Praxishygiene
  • Aufbereitung von Medizinprodukten
  • Abfallentsorgung
  • Desinfektionsmaßnahme in der Arztpraxis
  • Gefährdungsbeurteilung
  • Arbeitsschutz
  • Multiresistente Krankheitserreger
  • Erstellung und Pflege von Hygieneplänen
  • Qualitätsmanagement und Hygiene

Entgegen der relativ klaren Vorgaben für Hygienebeauftragte Ärzte gibt es dies für Mitarbeiter im nicht-ärztlichen Bereich nicht. Grundsätzlich kann jeder Mitarbeiter der Praxis zum Hygienebeauftragten bestellt werden. Diese Funktion ist durchaus vergleichbaren mit anderen Zusatzaufgaben, wie QMB oder Abrechnung.

Was sind die Aufgaben des Hygienebeauftragten in der Arztpraxis / im Alltag?

Der Hygienebeauftragte konzentriert sich auf die Umsetzung von praktikablen und effizienten Lösungen zur Verbesserung der Hygienesituation im täglichen Arbeitsalltag. Sein Verantwortungsbereich gemäß HygMedVO umfasst die Einhaltung der Regeln der Hygiene- und Infektionsprävention, die Anregung zu Verbesserungen/ Optimierungen der Hygienepläne und der Funktionsabläufe.

Ziel ist es die Praxisabläufe im Hinblick auf die Hygiene zu optimieren. Zusätzlich sollte er in der Aus- und Fortbildung des Personals mitwirken. Das Praxisteam ist regelmäßig zu Themen der Hygiene zu schulen.

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