Warum wurde Flex Routing eingeführt?
KI-Systeme wie Microsoft Copilot benötigen enorme Rechenkapazitäten. Anders als klassische Office-Funktionen verarbeitet Copilot nicht nur einen einfachen Befehl, sondern analysiert Kontext, Dokumente, Sprache und Nutzeranfragen. Je nach Funktion werden dabei verschiedene Informationen aus dem Microsoft-365-Umfeld berücksichtigt, um eine passende Antwort zu erstellen.
Wenn viele Unternehmen gleichzeitig Copilot nutzen, entsteht eine hohe Last auf den Rechenzentren. Flex Routing soll Microsoft ermöglichen, diese Last besser zu verteilen und Copilot auch während Spitzenzeiten zuverlässig verfügbar zu halten. Für Microsoft ist das ein technisches Skalierungsproblem.
Die IT-Abteilung betrachtet Flex Routing möglicherweise als technische Einstellung. Die Praxisleitung oder Geschäftsführung weiß davon oft nichts. Der Datenschutzbeauftragte wird eventuell erst später eingebunden. Gleichzeitig können Mitarbeitende Copilot bereits produktiv nutzen.
Das bedeutet konkret, wenn Gesundheitsdaten und andere sensible personenbezogene Daten verarbeitet werden, sollten Praxen und Pflegeeinrichtungen prüfen, ob Mitarbeitende Copilot nutzen, welche Daten eingegeben werden, ob Flex Routing aktiviert ist. Und darüber hinaus, ob ein Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten, Auftragsverarbeitungsvertrag, Datenschutzinformationen und interne KI-Richtlinien angepasst werden müssen.
Einrichtungen müssen nachweisen können, dass sie sich mit den datenschutzrechtlichen Auswirkungen auseinandergesetzt haben.
Welche Daten können bei Microsoft Copilot betroffen sein?
Welche Daten bei Microsoft Copilot verarbeitet werden, hängt stark davon ab, wie Copilot konkret genutzt wird. Nicht jede Anfrage enthält personenbezogene Daten. Wer Copilot beispielsweise bittet, eine allgemeine Formulierung für eine interne Teams-Nachricht zu verbessern, verarbeitet möglicherweise keine sensiblen Informationen.
Anders sieht es aus, wenn Copilot Inhalte aus dem Arbeitskontext auswertet. Gerade darin liegt der praktische Nutzen von Microsoft 365 Copilot: Das System kann auf Informationen aus der Microsoft-365-Umgebung zugreifen, sofern der jeweilige Nutzer auch selbst Zugriff auf diese Inhalte hat. Dadurch kann Copilot E-Mails zusammenfassen, Dokumente analysieren, Besprechungen auswerten oder Antworten vorbereiten.
In einer Arztpraxis, einem MVZ oder einer Pflegeeinrichtung können dabei sehr unterschiedliche Datenarten betroffen sein:
E-Mails aus Outlook
In vielen Praxen laufen organisatorische und teilweise auch patientenbezogene Informationen über E-Mail. Dazu können Terminanfragen, Rückfragen von Patienten, Kommunikation mit Laboren, Schreiben von Krankenhäusern, interne Abstimmungen oder Nachrichten von Dienstleistern gehören.
Wenn Copilot E-Mails zusammenfasst, Antwortvorschläge erstellt oder Inhalte aus Postfächern verarbeitet, können personenbezogene Daten betroffen sein. Je nach Inhalt können sogar Gesundheitsdaten verarbeitet werden.
Teams-Nachrichten und Besprechungen
Microsoft Teams wird in vielen Organisationen für interne Kommunikation genutzt. In größeren Praxen, MVZ-Strukturen oder Pflegeeinrichtungen können dort Schichtabsprachen, organisatorische Entscheidungen, Qualitätsmanagement-Themen oder interne Fallbesprechungen stattfinden.
Auch Besprechungsnotizen und Transkripte können sensible Informationen enthalten. Wenn Copilot Sitzungen zusammenfasst oder Aufgaben aus Besprechungen ableitet, werden die entsprechenden Inhalte in den KI-Verarbeitungsprozess einbezogen.
Word-Dokumente und hochgeladene Dateien
Word-Dokumente können in Gesundheitseinrichtungen viele unterschiedliche Inhalte enthalten. Dazu gehören beispielsweise Vorlagen, Arbeitsanweisungen, Patienteninformationen, Beschwerdeberichte, interne Protokolle, Auditberichte, Datenschutzunterlagen oder Korrespondenz.
Wenn Nutzer Copilot bitten, ein Dokument zusammenzufassen, umzuschreiben oder inhaltlich auszuwerten, werden die Inhalte dieses Dokuments verarbeitet. Enthält das Dokument personenbezogene Daten, betrifft auch die Copilot-Nutzung personenbezogene Daten.
Excel-Dateien
Auch Excel-Dateien können datenschutzrelevant sein. In Praxen und Pflegeeinrichtungen werden Tabellen häufig für Auswertungen, Listen, Dienstplanung, Fortbildungsübersichten, Geräteprüfungen, Maßnahmenpläne, Qualitätskennzahlen oder interne Organisation genutzt.
Nicht jede Tabelle enthält sensible Daten. Sobald jedoch Namen, Rollen, Patientenzuordnungen, Fehlzeiten, Beschwerden oder medizinische Informationen enthalten sind, muss die Verarbeitung datenschutzrechtlich bewertet werden.
QM-, Hygiene- und Arbeitsschutzdokumente
Auf den ersten Blick wirken QM-, Hygiene- oder Arbeitsschutzdokumente weniger kritisch als Patientenakten. Dennoch können auch diese Unterlagen personenbezogene Daten enthalten. Beispiele sind Verantwortlichkeiten, Schulungsnachweise, Maßnahmenpläne, Begehungsberichte, Unfallereignisse, interne Abweichungen, Beschwerden oder Protokolle aus Audits.
Gerade wenn Copilot genutzt wird, um solche Dokumente zu analysieren, zusammenzufassen oder neue Versionen zu erstellen, sollte geprüft werden, ob personenbezogene Daten oder sensible interne Informationen verarbeitet werden.
Patientendaten und Gesundheitsdaten
Besonders kritisch wird es, wenn Eingaben oder Dokumente konkrete Patientendaten enthalten. Gesundheitsdaten gehören nach der DSGVO zu den besonderen Kategorien personenbezogener Daten und sind deshalb besonders geschützt.
Dazu gehören beispielsweise:
- Diagnosen,
- Befunde,
- Medikationsinformationen,
- Laborwerte,
- Behandlungsverläufe,
- Pflegeinformationen,
- Arztbriefe,
- Anamnesedaten,
- AU-Informationen,
- psychische oder soziale Informationen,
- Angaben zu Behinderungen oder Pflegegrad.
Solche Informationen sollten nicht unbedacht in KI-Systeme eingegeben oder durch KI-Systeme verarbeitet werden. Selbst wenn ein Anbieter grundsätzlich DSGVO-konforme Rahmenbedingungen anbietet, bleibt die Einrichtung verantwortlich dafür, wie das System konkret genutzt wird.