Allgemeine Hygienemaßnahmen sind bei operativen Eingriffen unabdingbar, um Patienten und Personal vor Infektionskrankheiten zu schützen. Sowohl ambulante als auch stationär durchgeführte Eingriffe erfordern den gleichen, hohen Hygienestandard. Die vollständig überarbeitete KRINKO-Empfehlung zur Prävention von postoperativen Wundinfektionen erschien im Jahr 2018. Der Begriff „Eingriff“ wurde in dieser durch die Bezeichnung „Operation mit geringem SSI-Risiko“ ersetzt. Als Beispiele hierfür werden kleine Eingriffe an der Haut/Subkutis, am Auge, in der Mund-, Kiefer-, und Stirnhöhle, Endoskopien von Kieferhöhlen und Abszesseröffnungen benannt. Mitglieder der DGKH halten diese Formulierung jedoch für umständlich und plädieren dafür, dass die Begriffe „Eingriff“ und „Eingriffsraum“ beizubehalten sind. In diesem Artikel gehen wir auf Anforderungen für „Operationen mit noch geringerem SSI-Risiko“ ein und erläutern diese genauer.
Zuletzt aktualisiert: 18. Mai 2026 - Der Beitrag wurde vollständig überarbeitet und an die aktuellen KRINKO-Empfehlungen zur Prävention postoperativer Wundinfektionen, die DGKH-Leitlinie für Eingriffsräume sowie die aktuellen Anforderungen an invasive Maßnahmen und Eingriffsräume angepasst.
Über die Autorin:
Sarah Plum, M.A. ist Pflegewissenschaftlerin und Beraterin für Hygienemanagement im Gesundheitswesen. Sie unterstützt Arztpraxen, MVZ, ambulante OP-Zentren und Pflegeeinrichtungen bei der Umsetzung hygienischer und organisatorischer Anforderungen nach KRINKO-, DGKH- und IfSG-Vorgaben. Für diesen Beitrag hat sie die aktuellen Anforderungen an Eingriffsräume, die Einstufung invasiver Maßnahmen nach SSI-Risiko sowie die baulichen und funktionellen Anforderungen praxisnah aufgearbeitet.
Die baulichen und funktionellen Anforderungen für Eingriffsräume orientieren sich maßgeblich am Infektionsrisiko (SSI = Surgical Site Infections) der jeweiligen Intervention. Ziel ist es, ein hygienisch einwandfreies Arbeiten zu ermöglichen und gleichzeitig eine dem Risikoprofil angemessene Infrastruktur bereitzustellen.
Nach der aktuellen KRINKO-Empfehlung zur Prävention postoperativer Wundinfektionen wird zwischen:
unterschieden. Diese Differenzierung ist ausschlaggebend für die Zuordnung zu Operationsräumen, Eingriffsräumen oder Behandlungsräumen außerhalb einer OP-Abteilung.
Eingriffsräume dienen der Durchführung invasiver Maßnahmen bzw. Operationen mit geringem oder noch geringerem Risiko für postoperative Wundinfektionen und müssen so konzipiert sein, dass:
Die Leitlinie der DGKH beschreibt konkrete bauliche und funktionelle Anforderungen an Eingriffsräume im ambulanten und stationären Bereich.
Die Größe eines Eingriffsraums ist abhängig von:
Ein wesentlicher Unterschied zwischen OP-Raum und Eingriffsraum besteht in der Raumlufttechnik:
Auf eine raumlufttechnische Anlage kann in Eingriffsräumen aus infektionshygienischen Gründen verzichtet werden, sofern keine anderen Gründe (z. B. Temperaturregulation, innenliegende Räume) eine RLT-Anlage erforderlich machen. In diesen Fällen ist zumindest Raumklasse II einzuhalten. Besteht keine Notwendigkeit einer RLT-Anlage und findet die Belüftung eines Eingriffsraum über Fenster statt, sind diese mit einem Fliegengitter auszustatten, um tierische Schädlinge fernzuhalten. Hier sollten die Fliegengitter so beschaffen sein, dass sie leicht zu entfernen und reinigen sind.
Eingriffsräume müssen über:
verfügen.
Dem Eingriffsraum sind funktional zuzuordnen:
ggf. ein Ruheraum bei der Durchführung von Eingriffen in Sedierungen oder Narkosen
Die KRINKO-Empfehlung von 2018 verwendet den Begriff Surgical Site Infection (SSI) für postoperative Wundinfektionen im Operationsgebiet. Eine beigefügte Liste ist im Anhang nicht vorhanden. Daher kann es für Arztpraxen oder MVZ sinnvoll sein sich durch eine Hygieneberatung im Aufbau des Hygienemanagements unterstützen zu lassen. Die Richtlinie verweist für die Einteilung von Operationen und Eingriffen jedoch sowohl auf eine aktualisierte Liste vom Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGuS) Mecklenburg-Vorpommern als auch auf die Liste der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern. Diese ist besonders detailliert und teilt die im kassenärztlichen Bereich durchgeführten Operationen und Eingriffe in drei Kategorien ein:

Eine Operation (OP) ist eine diagnostische oder therapeutische Maßnahme mit Durchtrennung von Haut oder Schleimhaut und ggf. tieferen Gewebeschichten.
Eine Operation mit geringem SSI-Risiko ist eine Operation, bei der aufgrund der Art des Zugangs, des Gewebetyps und der erwarteten Keimexposition ein geringes Risiko für postoperative Wundinfektionen besteht.
Eine Operation mit noch geringerem SSI-Risiko (invasive Maßnahme) ist eine Maßnahmen mit sehr begrenztem Eingriff in Haut oder Subkutis und entsprechend minimalem Infektionsrisiko.
Der Begriff „Eingriff“ wird in der KRINKO-Empfehlung bewusst nicht einheitlich verwendet, da er im allgemeinen Sprachgebrauch uneinheitlich ist. In der DGKH-Leitlinie wird der Begriff dennoch weiter genutzt und funktional mit dem „Eingriffsraum“ verknüpft.
Anhand dieser Listen können nahezu alle im ambulanten Bereich zu erwartenden operativen Eingriffen zugeordnet werden. Wichtig zu erwähnen ist jedoch, dass die Übertragung der Einteilung operativer Interventionen auf die KRINKO-Liste nicht immer eindeutig ist.
Die Zuordnung operativer Maßnahmen erfolgt primär nach dem erwarteten SSI-Risiko, nicht nach dem Setting (ambulant oder stationär).
Nach den in der DGKH-Leitlinie dargestellten Zuordnungsvorschlägen lassen sich operative Maßnahmen wie folgt einteilen:
Die konkrete Zuordnung einzelner Eingriffe soll auf Basis einer Risikobewertung erfolgen, die gemeinsam durch den / die zuständige Ärzt:in und den / die beratende Krankenhaushygieniker:in vorgenommen wird. Zusätzlich sind Surveillancedaten und das lokale Eingriffsspektrum dabei zu berücksichtigen.
Sollten Sie Fragen zur Eingruppierung oder zur Umsetzung der notwendigen Hygienemaßnahmen haben, wenden Sie sich gerne an unsere Fachberater der InnovaPrax. Neben der Erstellung von Hygieneplänen und Reinigungs- und Desinfektionsplänen können wir auch im Hinblick auf weitere Anforderungen unterstützen