Ist ein Qualitäts­management (QM) in der Arzt­pra­xis verpflichtend?

Seit 2004 sind nie­der­ge­las­se­ne Ver­trags­ärz­te, medi­zi­ni­sche Ver­sor­gungs­zen­tren und Kran­ken­häu­ser gesetz­lich ver­pflich­tet, ein Qualitäts­management (QM) ein­zu­füh­ren und auf­recht­zu­er­hal­ten. QM für Arzt­pra­xen ist somit nicht frei­wil­lig oder optional.

Doch ist das wirk­lich so klar? Gibt es Aus­nah­men und Über­gangs­fris­ten? Und wer defi­niert über­haupt, welche Anfor­de­run­gen an das Praxis-QM gelten?

Qualitäts­management für Ärzte — die Gesetzeslage 

Gesetz­li­che Grund­la­ge ist der § 135a SGB V. Unter dem Titel “Ver­pflich­tung der Leis­tungs­er­brin­ger zur Qua­li­täts­si­che­rung” werden sämt­li­che Ver­trags­ärz­te zur ste­ti­gen Ver­bes­se­rung der Qua­li­tät ihrer Leis­tun­gen sowie zur Ein­füh­rung und Wei­ter­ent­wick­lung eines inter­nen Qua­li­täts­ma­nage­ments angehalten.

Gesetz­li­che Anfor­de­run­gen im Detail

Über Min­dest­an­for­de­run­gen an das Qualitäts­management für Ärzte infor­miert eine Richt­li­nie des gemein­sa­men Bun­des­aus­schus­ses, die 2006 in Kraft trat und 2015 grund­le­gend über­ar­bei­tet wurde. Diese Richt­li­nie betrifft unter ande­rem Ver­trags­ärz­te und Zahn­ärz­te. Sie hat ver­pflich­ten­den, geset­zes­ähn­li­chen Cha­rak­ter.
Nimmt ein Arzt seine Tätig­keit auf, so muss er nach spä­tes­tens 3 Jahren ein QM-System auf­bau­en. Das heißt geord­ne­te Pro­zes­se eta­blie­ren und doku­men­tie­ren, die im Sinne der Pati­en­ten­si­cher­heit und der Ver­bes­se­rung der Pati­en­ten­ver­sor­gung stetig opti­miert werden.
Dies umfasst unter ande­rem eine struk­tu­rier­te Ziel­pla­nung, die klare Fest­le­gung von Ver­ant­wort­lich­kei­ten und Befug­nis­sen, ein sys­te­ma­ti­sches Fehler- und Beschwer­de­ma­nage­ment, die adäqua­te Beschrei­bung von Pro­zes­sen und die Ver­wen­dung von Check­lis­ten zur kor­rek­ten Abar­bei­tung wich­ti­ger, wie­der­keh­ren­der Abläu­fe. Fort­bil­dung und Rück­mel­dun­gen der Mit­ar­bei­ter müssen dabei ebenso berück­sich­tigt werden wie die Pati­en­ten­in­for­ma­ti­on und ‑Befra­gun­gen.

Beson­de­re Schwer­punk­te der QM-Richtlinie

Ein beson­de­res Augen­merk legt die Richt­li­nie des G‑BA auf den Umgang mit Infor­ma­ti­ons­si­cher­heit — also auf den Schutz Ihrer Pati­en­ten­da­ten — Ihren Daten­schutz — sowie auf die unmit­tel­bar mit der Pati­en­ten­si­cher­heit ver­bun­de­nen Ver­pflich­tun­gen. Zu letz­te­ren gehö­ren z.B. ein sys­te­ma­ti­sches Hygie­nema­nage­ment in der Arzt­pra­xis, die Sicher­stel­lung der Not­fall­kom­pe­tenz und ‑Aus­stat­tung und die wirk­sa­me Umset­zung der Arzneimitteltherapiesicherheit.

Kon­se­quen­zen bei man­geln­dem QM für Arztpraxen

Die kas­sen­ärzt­li­chen Ver­ei­ni­gun­gen (KV) sind ver­pflich­tet, min­des­tens 2,5% der Ver­trags­ärz­te — bei Zahn­ärz­ten min­des­tens 2% — pro Jahr zur schrift­li­chen Dar­le­gung des Umset­zungs­stan­des ihres QMs auf­zu­for­dern. Die Aus­wahl dieser Stich­pro­ben erfolgt zufäl­lig. Auf Basis der ein­ge­reich­ten Unter­la­gen sowie eines stan­dar­di­sier­ten Berichts­bo­gens bewer­tet die QM-Kom­mis­si­on der jewei­li­gen KV bzw. KZV die Ange­mes­sen­heit des Praxis-QM und berät zunächst bei Verbesserungspotential.

Erst seit 2017 kommen diese Stich­pro­ben­tests des QM in Arzt­pra­xen tat­säch­lich prak­tisch zum Einsatz.

Bei Nicht­er­brin­gung der ange­for­der­ten Nach­wei­se drohen zunächst keine unmit­tel­ba­ren gesetz­li­chen Kon­se­quen­zen. Jedoch kann der Dis­zi­pli­nar­aus­schuss der KV bzw. KZV dies als Ver­nach­läs­si­gung der (zahn)ärztlichen Pflich­ten aus­le­gen und ent­spre­chen­de Kon­se­quen­zen, wie z.B. eine Ver­war­nung, ein Ver­weis oder eine Geld­bu­ße, auf­er­le­gen.
Eine gene­rel­le Zer­ti­fi­zie­rungs­pflicht (= ein aktiv ein­zu­ho­len­der Nach­weis durch eine Zer­ti­fi­zie­rungs­stel­le) besteht der­zeit nicht, könnte jedoch in Zukunft hin­zu­kom­men.
Anzu­mer­ken ist, dass bei Vor­komm­nis­sen mit juris­ti­schem Nach­spiel, z.B. Pati­en­ten­ge­fähr­dung durch Hygie­ne­pro­ble­me oder orga­ni­sa­to­ri­sche Mängel, eine nach­weis­ba­re Nicht­er­fül­lung der gesetz­li­chen Ver­pflich­tung zum QM künf­tig dem behan­deln­den Arzt zusätz­lich ange­las­tet wird. Urtei­le hierzu stehen jedoch noch aus.

Bera­tung zum Qualitäts­management Ihrer Arztpraxis

Unsere Erfah­rung in der QM-Bera­tung für Arzt­pra­xen ermög­licht Ihnen, dass Sie rechts­si­cher und ohne unnö­ti­gen Mehr­auf­wand an Doku­men­ta­ti­on Ihr Qualitäts­management umset­zen und bereits eta­blier­te Vor­ge­hens­wei­sen voll ein­brin­gen können. Somit können Sie sich wei­ter­hin auf das Wohl Ihrer Pati­en­ten kon­zen­trie­ren, wäh­rend wir Sie fach­lich, orga­ni­sa­to­risch und tech­nisch bei der Ein­füh­rung und Ver­voll­stän­di­gung Ihres Qua­li­täts­ma­nage­ments unter Berück­sich­ti­gung Ihrer indi­vi­du­el­len Vor­aus­set­zun­gen beraten.

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