Ein­füh­rung von Qua­li­täts­ma­nage­ment­sys­te­men in Pfle­ge­hei­men

Durch die Erstel­lung und Ein­hal­tung sinn­vol­ler Regeln können in Pfle­ge­ein­rich­tun­gen die Abläu­fe und Ergeb­nis­se opti­miert werden.

Eine wich­ti­ge Unter­stüt­zung zum struk­tu­rier­ten, plan­vol­len Vor­ge­hen bietet die Norm DIN ISO 9001. Sie unter­stützt dabei, ein effi­zi­en­tes System zur Siche­rung und Ver­bes­se­rung der Unter­neh­mens­zie­le sowie zur Stei­ge­rung der Bewoh­ner- und Ange­hö­ri­gen­zu­frie­den­heit zu eta­blie­ren. Zur Ein­füh­rung eines QM-Sys­tems dient die Norm als Leit­li­nie und Hand­lungs­hil­fe. Aller­dings müssen die Grund­sät­ze des Qua­li­täts­ma­nage­ments aus der Norm auf die Bedürf­nis­se von Pfle­ge­ein­rich­tun­gen zuge­schnit­ten und ange­wen­det werden. Die Dar­stel­lung der wich­tigs­ten Pro­zes­se, Schnitt­stel­len und Wir­kungs­zu­sam­men­hän­ge ermög­licht einen struk­tu­rier­ten Gesamt­über­blick. Außer­dem fun­giert das QM-Hand­buch als Doku­men­ta­ti­on von Ziel­set­zun­gen und Vor­ga­ben zur Qua­li­täts­ver­bes­se­rung durch das Unter­neh­men.

Qua­li­täts­ver­bes­se­run­gen in der Pflege

Die Qua­li­tät der Betreu­ungs- und Pfle­ge­leis­tun­gen ist ein Eck­pfei­ler für die best­mög­li­che Lebens­qua­li­tät der Bewoh­ner. Neben geeig­ne­ten Maß­nah­men der Grund­pfle­ge und der medi­zi­ni­schen Behand­lungs­pfle­ge können dazu krea­ti­ve Maß­nah­men dienen. Ein geleb­tes, adäqua­tes QM heißt auch immer Ver­än­de­rung. Fol­gen­de Ver­än­de­run­gen / Maß­nah­men können zur Leis­tungs­ver­bes­se­run­gen in der Pflege bei­tra­gen:

  • Mehr Koope­ra­ti­on mit Ange­hö­ri­gen, häu­fi­ge­re Ein­la­dung von Ange­hö­ri­gen zu gemein­sa­men Events. Gemeint sind hier nicht nur Fami­li­en­an­ge­hö­ri­ge, es können auch enge Freun­de, Nach­barn oder Bekann­te ein­be­zo­gen werden.
  • Stär­ke­re Berück­sich­ti­gung von Bewoh­ner­wün­schen im Rahmen the­ra­peu­ti­scher Maß­nah­men
  • Nut­zung von Mit­ar­bei­ter­er­fah­run­gen zur all­ge­mei­nen Ver­bes­se­rung der Betreu­ung von Pati­en­ten mit Demenz­er­kran­kun­gen. Hier können Fall­be­spre­chun­gen oder „runde Tische“ mög­li­che Instru­men­te sein.
  • Eta­blie­rung von regel­mä­ßi­gen und prä­zi­sen Mit­ar­bei­ter­be­fra­gun­gen. Hier­bei ist natür­lich enorm wich­tig, dass aus den kon­kre­ten Ergeb­nis­sen auch Maß­nah­men abge­lei­tet werden.
  • Häu­fi­ge Ver­wen­dung von Check­lis­ten als Erin­ne­rungs­stüt­zen und Doku­men­ta­ti­ons­hil­fen.
  • Ver­bes­se­rung des Bewer­tungs- und Erfas­sungs­sys­tems im Hin­blick auf Pfle­ge­dia­gno­sen als wesent­li­che Grund­la­ge für die Pfle­ge­be­darfs­be­rech­nung.
  • Opti­mie­rung der Mit­ar­bei­ter­be­tei­li­gung durch die Ein­rich­tung eines Qua­li­täts­zir­kels. Durch mehr Par­ti­zi­pa­ti­on an der Ver­ant­wor­tung können die Mit­ar­bei­ter­mo­ti­va­ti­on gestei­gert und eine Leis­tungs­ver­bes­se­run­gen in der All­tags­pra­xis erzielt werden.
  • Erstel­lung eines mög­lichst detail­lier­ten Hygie­ne­plans, ins­be­son­de­re unter Beach­tung von Hygie­ne­an­for­de­run­gen an Räume, Aus­stat­tung sowie Klei­dung und Wäsche. Ebenso ist auf die Rei­ni­gung, Des­in­fek­ti­on und Auf­be­rei­tung von Medi­zin­pro­duk­ten zu achten. Außer­dem müssen Hän­de­hy­gie­ne, Lebens­mit­tel und Abfall­be­sei­ti­gung den Anfor­de­run­gen ent­spre­chen. Ein Hygie­ne­plan sollte eben­falls Rege­lun­gen zur Hal­tung von Haus­tie­ren und Schäd­lings­pro­phy­la­xe sowie bei Bedarf für die Schäd­lings­be­kämp­fung ent­hal­ten.
  • Fach­lich hoch­wer­ti­ge Bera­tung von Bewoh­ner und Ange­hö­ri­gen. Dies schafft neben Trans­pa­renz auch eine höhere Zufrie­den­heit. Instru­men­te können geziel­te Bera­tungs­ge­sprä­che oder auch evi­denz­ba­sier­te Bewoh­ner­in­for­ma­tio­nen sein.
  • Regel­mä­ßi­ge Zufrie­den­heits­um­fra­gen bei Bewoh­nern und deren Ange­hö­ri­gen, um Defi­zi­te und Ver­än­de­run­gen zu vor­aus­ge­gan­ge­nen Befra­gun­gen fest­stel­len zu können. Aus Grün­den der Trans­pa­renz sind die Ergeb­nis­se jeweils zeit­nah mit­zu­tei­len. Dies gilt auch für Ver­än­de­run­gen auf der Grund­la­ge der Befra­gun­gen.
  • Ver­bes­se­rung der Kosten- und Leis­tungs­trans­pa­renz durch münd­li­che und schrift­li­che Infor­ma­tio­nen.
  • Umfas­sen­de prä­zi­se Fest­le­gung von Befug­nis­sen, Ver­ant­wort­li­chen und Zeit­rah­men zur Auf­ga­ben­be­wäl­ti­gung.
  • Über­prü­fung der Mög­lich­kei­ten zusätz­li­cher Ser­vice­leis­tun­gen wie Gäs­te­zim­mer und Park­plät­ze für Ange­hö­ri­ge oder Ein­rich­tung eines Fahr­diens­tes.

 

Ein­rich­tung eines Fehler- und Beschwer­de­ma­nage­ments

Beschwer­den von Bewoh­nern oder Ange­hö­ri­gen ent­hal­ten meis­tens klare Bot­schaf­ten. Dabei werden Defi­zi­te ange­spro­chen, die in jedem Fall über­prüft und bewer­tet werden soll­ten. Durch die Bear­bei­tung und Beant­wor­tung der Beschwer­de erge­ben sich meh­re­re Chan­cen. Zum einen kann ein Ver­bes­se­rungs­be­darf erkannt werden. Aber es können auch wei­te­re Beschwer­den ver­mie­den werden. Eben­falls können durch eine zeit­na­he und ange­mes­se­ne Beant­wor­tung der Beschwer­de Bei­trä­ge in Foren oder sogar recht­li­che Kon­se­quen­zen ver­hin­dert werden. Ein pro­fes­sio­nel­ler Umgang mit Beschwer­de­füh­rern trägt außer­dem zum bes­se­ren Unter­neh­men­si­mage bei und erhöht die all­ge­mei­ne Zufrie­den­heit. Im Rahmen der Umset­zung des Qua­li­täts­ma­nage­ments sollte das Fehler- und Beschwer­de­ma­nage­ment einen hohen Stel­len­wert haben.

 

Kom­mu­ni­ka­ti­on und Daten­schutz

Durch einen umfas­sen­den Schutz per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten soll das Ver­trau­ens­ver­hält­nis zwi­schen Bewoh­ner und Ein­rich­tung gestärkt werden. Die gel­ten­den Daten­schutz­be­stim­mun­gen und das Recht auf infor­mel­le Selbst­be­stim­mung sind daher strikt zu beach­ten. Davon bleibt die beruf­lich beding­te, beson­de­re Ver­schwie­gen­heits­pflicht des Pfle­ge­per­so­nals unbe­rührt. Der Umgang mit per­so­nen­be­zo­ge­nen Gesund­heits­da­ten erfor­dert eine beson­de­re Sen­si­bi­li­tät. Zum Schutz der Bewoh­ner­da­ten müssen geeig­ne­te Maß­nah­men getrof­fen werden. Dazu zählen ins­be­son­de­re:

  • Es muss gewähr­leis­tet werden, dass die Pfle­ge­do­ku­men­ta­ti­on aus­schließ­lich durch Befug­te ein­ge­se­hen werden kann. Sie dürfen ins­be­son­de­re nicht unkon­trol­liert offen auf Tischen liegen und dadurch einen Ein­blick durch Unbe­fug­te ermög­li­chen. Com­pu­ter sind durch Bild­schirm­scho­ner und Pass­wort zu schüt­zen.
  • Gespei­cher­te Daten sind spe­zi­ell zu sichern. Spei­cher­me­di­en müssen sich in abschließ­ba­ren Räumen befin­den. Die Nut­zung durch Befug­te darf nur mit einem Pass­wort mög­lich sein. Die Pfle­ge­do­ku­men­ta­ti­ons­soft­ware ist zu schlie­ßen, sobald ein Mit­ar­bei­ter den Raum ver­lässt. Gegen einen unbe­fug­ten Online-Zugriff durch Exter­ne müssen aktu­el­le, best­mög­li­che Vor­keh­run­gen getrof­fen werden. Repa­ra­tu­ren am PC dürfen im Sinne der Daten­si­cher­heit nur kon­trol­liert erfol­gen.
  • Bei der Wei­ter­ga­be von Pati­en­ten­da­ten an Kran­ken­kas­sen, Ärzte, Sani­täts­häu­ser und Ange­hö­ri­ge sind die Beschrän­kun­gen zu beach­ten sowie Ein­wil­li­gungs­er­klä­run­gen ein­zu­ho­len. Das gilt auch für begrün­de­te Ein­zel­fäl­le. Übli­cher­wei­se kann in einem Heim­ver­trag eine wirk­sa­me Ein­wil­li­gungs­er­klä­rung ent­hal­ten.
  • Bespre­chun­gen unter Ver­wen­dung von Pati­en­ten­da­ten soll­ten in Bespre­chungs­räu­men bei geschlos­se­nen Türen statt­fin­den. Beim Daten­aus­tausch zwi­schen Pfle­ge­kräf­ten soll­ten eben­falls Räume genutzt werden, die eine gebo­te­ne Dis­kre­ti­on zulas­sen.
  • Daten­pan­nen sind zu melden, zu doku­men­tie­ren und im Sinner der kon­ti­nu­ier­li­chen Ver­bes­se­rung zu Bear­bei­ten. Hier ist die Mel­dung an den Betrof­fe­nen zu beach­ten.

QM-Soft­ware und Chan­ge­ma­nage­ment zur Pro­zess­si­che­rung

Die Umset­zung vom Qua­li­täts­ma­nage­ment­maß­nah­men sollte nicht nur läs­ti­ge Pflicht sein. Gerade in Pfle­ge­ein­rich­tun­gen sollte kann ein pra­xis­na­hes, gut geführ­tes QM ein inte­gra­ler Bestand­teil der Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tur sein. Qualitäts­management ver­steht sich als kon­ti­nu­ier­li­cher, ganz­heit­li­cher Pro­zess und gehört zu den Kern­auf­ga­ben der Füh­rung. Optio­nen und Hand­lungs­hil­fen zur Ein­füh­rung und Beglei­tung bietet eine QM-Soft­ware. Um den kon­ti­nu­ier­li­chen Ver­än­de­run­gen im Bereich der Pflege Rech­nung zu tragen, sollte das QM in Pfle­g­ein­rich­tun­gen in bestimm­ten Zeit­ab­stän­den eva­lu­iert werden. Dar­über hinaus können durch ein bedarfs­ge­rech­tes Chan­ge­ma­nage­ment not­wen­di­ge Anpas­sun­gen an ver­än­der­te Rah­men­be­din­gun­gen zeit­ge­recht gewähr­leis­tet werden.

Haben Sie Fragen?

Dann schrei­ben Sie uns ein­fach eine Mail unter Info@InnovaPrax.de


 

Recommended Posts