Qualitäts­management in Zahn- Arzt­pra­xen — QM-Richt­li­nie des G‑BA

Die aktu­el­le G‑BA-Richt­li­nie ver­ein­heit­licht die ver­trags­ärzt­li­chen Vor­ga­ben für Praxis und Klinik. Was Arzt- und Zahn­arzt­pra­xen davon umset­zen müssen, zeigt dieser Bei­trag.

 

Nur noch eine QM-Richt­li­nie für die Sek­to­ren

Seit 2004 sind Ver­trags­ärz­tin­nen und ‑ärzte, Ver­trags­zahn­ärz­tin­nen und ‑ärzte, medi­zi­ni­sche Ver­sor­gungs­zen­tren sowie zuge­las­se­ne Kran­ken­häu­ser ver­pflich­tet, ein ein­rich­tungs­in­ter­nes Qualitäts­management (QM) zu schaf­fen. Die gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen dazu regel­te bis zum 15. Novem­ber 2016 die Richt­li­nie ÄQM des Gemein­sa­men Bun­des­sauschus­ses G‑BA.

Die neue Leit­li­nie QM-RL trat am 16. Novem­ber 2016 in Kraft. Sie bün­delt die für den ambu­lan­ten und sta­tio­nä­ren Sektor zuvor teils getrenn­ten Vor­schrif­ten in einem ein­heit­li­chen Anfor­de­rungs­ka­ta­log. Das führt zwar zu klei­ne­ren Anpas­sun­gen, ins­ge­samt jedoch sind die meis­ten der bis­he­ri­gen Vor­ga­ben für alle ver­trags­ärzt­li­chen Kate­go­ri­en wei­ter­hin gültig.

Für Arzt- und Zahn­arzt­pra­xen stellt sich ange­sichts des der­zei­ti­gen Gesamt­pa­kets den­noch häufig die Frage, welche For­de­run­gen des G‑BA bei der Rea­li­sie­rung kon­kret ein­zu­hal­ten sind. Die nach­fol­gen­de Zusam­men­fas­sung der Richt­li­nie QM-RL lie­fert die Ant­wor­ten. Die Unter­tei­lung in meh­re­re The­men­blö­cke bietet dabei zusätz­li­che Trans­pa­renz.

Die für alle gül­ti­gen Rah­men­an­for­de­run­gen der QM-Richt­li­nie

Grund­ele­men­te des QM

Die Schwer­punk­te der Richt­li­nie sind sicher­heits­be­zo­ge­ne Kon­zep­te und die Orga­ni­sa­ti­ons­ent­wick­lung. Dies betrifft ins­be­son­de­re

  • die Pati­en­ten­ori­en­tie­rung und ‑sicher­heit,
  • die Mit­ar­bei­ter als wich­ti­ge Betei­lig­te des Sys­tems, sowie deren Sicher­heit,
  • die rele­van­ten Pro­zess­ab­läu­fe der Praxen,
  • die Kom­mu­ni­ka­ti­on und Koope­ra­ti­on,
  • den Infor­ma­ti­ons- und Daten­schutz sowie
  • die Fragen der Ver­ant­wor­tung und Füh­rung.

Werden die zu diesen The­men­fel­dern gehö­ren­den Maß­nah­men und Instru­men­te fester Pra­xis­be­stand­teil, stei­gern sie die Qua­li­tät und Sicher­heit jeder ärzt­li­chen und zahn­ärzt­li­chen Ein­rich­tung. Bei­spie­le dafür sind das geziel­te Vor­ge­hen bei Not­fäl­len, die Arz­nei­mit­tel­ver­ord­nung in Ver­bin­dung mit Medi­ka­ti­ons­plä­nen oder die Umset­zung der best­mög­li­chen Hygie­ne­maß­nah­men.

Ver­pflich­tun­gen und Aus­nah­men

Der ver­bind­li­che Rah­men­ka­ta­log ent­hält mehr als ein Dut­zend Metho­den und Instru­men­te, die in einer Praxis genutzt werden sollen. Denn erst mit deren Hilfe ent­wi­ckeln sich aus den genann­ten Grund­ele­men­ten die qua­li­täts­stei­gern­den Arbeits­ab­läu­fe und Pra­xis­struk­tu­ren.

Aller­dings ist nicht jede Vor­ga­be zwin­gend. Wenn die indi­vi­du­el­len Pra­xis­ver­hält­nis­se ein­zel­ne Maß­nah­men nicht zulas­sen, sind diese kein Muss. Auch der Gesamt­auf­wand darf an die Pra­xis­grö­ße ange­passt sein.

Ande­rer­seits sind diese Frei­räu­me begrenzt, da einige Punkte zu den Min­dest­stan­dards zählen. Sie sind weiter unten nament­lich auf­ge­lis­tet und ver­pflich­tend ein­zu­hal­ten.

Die Richt­li­nie weist zudem darauf hin, dass die Ein­füh­rung und Nut­zung der Qua­li­täts­in­stru­men­te auch regel­mä­ßig ein­rich­tungs­in­ter­ne Opti­mie­run­gen erfor­dert. Als dafür geeig­ne­tes Werk­zeug emp­fiehlt sie das PDCA-Prin­zip. Dieses Kürzel steht für einen vier­stu­fi­gen Regel­kreis zur kon­ti­nu­ier­li­chen Pro­zess­ver­bes­se­rung.

PDCA- Zyklus:

Plan: Planen Sie eine Neue­rung bspw. Im Ablauf einer Tätig­keit

Do: Führen Sie diese nun in Ihrem täg­li­chen Ablauf durch

Check: Bringt diese Neue­rung / Ver­än­de­rung den gewünsch­ten Erfolg oder muss Sie an den Praxis betrieb ange­passt werden?

Act: Arbei­ten Sie nach dem neuen Prin­zip und eta­blie­ren Sie diesen

Der PDCA Zyklus ist ein kon­ti­nu­ier­li­cher Ablauf inner­halb eines guten QM-Sys­tems

Zeit­vor­ga­ben und Über­prü­fung der Umset­zung

Gesetz­lich vor­ge­ge­be­ner Start­punkt des jet­zi­gen Qualitäts­management-Sys­tems war der 16. Novem­ber 2016. Danach neu zuge­las­se­ne Ver­trags­ärz­te, ‑ärz­tin­nen oder ‑koope­ra­tio­nen hatten aller­dings drei Jahre Zeit, die Sys­te­me in den Pra­xis­all­tag zu inte­grie­ren. Bereits bestehen­den Praxen und Ein­rich­tun­gen hin­ge­gen blieb nur etwa ein Jahr.

Denn die KVen und KZVen sind recht­lich ver­pflich­tet, den Umset­zungs­stand alle zwei Jahre in den Praxen zu über­prü­fen. Das geschieht mit einer schrift­li­chen Befra­gung von jeweils 2,5 % zufäl­lig aus­ge­wähl­ten Ärzten und 2 % Zahn­ärz­ten.

Die ent­spre­chen­de Aus­wer­tung für die Arzt­pra­xen ist über die KBV öffent­lich ein­seh­bar. Sie zeigt, dass die Ver­trags­ärz­te alle vor­ge­ge­be­nen Metho­den und Instru­men­te umfas­send nutzen. Den höchs­ten Umset­zungs­grad weisen dabei die Teil­be­rei­che Pati­en­ten­si­cher­heit und ‑ver­sor­gung aus. Auch die rele­van­ten Punkte Feh­ler­ma­nage­ment, Pati­en­ten­in­for­ma­ti­on und ‑auf­klä­rung, das Schnitt­stel­len­ma­nage­ment und die Team­be­spre­chun­gen ran­gie­ren ganz vorne.

Die Aus­wer­tung für die Zahn­arzt­pra­xen ist von der KZBV hin­ter­legt. Auch hier sind die Umset­zungs­quo­ten mit 98 % sehr hoch und das PDCA-Prin­zip wird inten­siv genutzt.

Die Pflicht-Ele­men­te für Arzt- und Zahn­arzt­pra­xen

QM Gesamt­lis­te

Die nach­fol­gen­de Gesamt­lis­te der für die Praxen ver­bind­li­chen Ele­men­te ist umfang­reich, wobei aller­dings die bereits erwähn­ten Frei­räu­me genutzt werden dürfen. Die stets ein­zu­hal­ten­den Min­dest­stan­dards sind mar­kiert (*):

  • Messen und Bewer­ten von Qua­li­täts­zie­len
  • Erfas­sung des Ist­zu­stands und Selbst­be­wer­tung
  • Rege­lung der Ver­ant­wort­lich- und Zustän­dig­kei­ten
  • Pro­zess- und Ablauf­be­schrei­bun­gen
  • Manage­ment der Schnitt­stel­len
  • Check­lis­ten*
  • Team­be­spre­chun­gen
  • Schu­lung und Fort­bil­dung der Mit­ar­bei­ter/-innen
  • Pati­en­ten- und Mit­ar­bei­ter­be­fra­gun­gen
  • Beschwer­de­ma­nage­ment
  • Pati­en­ten­in­for­ma­ti­on und –auf­klä­rung
  • Risi­ko­ma­nage­ment*
  • Feh­ler­ma­nage­ment* und Feh­ler­mel­de­sys­te­me*
  • Not­fall­ma­nage­ment
  • Hygie­nema­nage­ment
  • Sicher­heit der Arz­nei­mit­tel­the­ra­pie
  • Schmerz­ma­nage­ment
  • Sturz­prä­ven­ti­on

Für jedes dieser Ele­men­te ent­hält die Richt­li­nie teils detail­lier­te Erläu­te­run­gen, die für die kon­kre­te Umset­zung die ergän­zen­den Infor­ma­tio­nen lie­fern (Teil A § 4 QM-RL).

Dele­ga­ti­on von Teil­auf­ga­ben im QM

Zur Ent­las­tung des gesetz­lich für die Umset­zung des Qua­li­täts­ma­nage­ments Ver­ant­wort­li­chen ist es zuläs­sig und erwünscht, pas­sen­de Teil­auf­ga­ben daraus an Mit­ar­bei­ter/-innen ver­bind­lich zu dele­gie­ren. Dies trägt auch zu Qua­li­täts­stei­ge­rung des gesam­ten Teams bei und för­dert die Wei­ter­ent­wick­lung der inter­nen Pra­xis­or­ga­ni­sa­ti­on.

Lau­fen­de QM-Doku­men­ta­ti­on

Alle in den Praxen genutz­ten Qua­li­täts­stan­dards müssen zudem regel­mä­ßig einer Selbst­be­wer­tung unter­zo­gen und das Ergeb­nis intern doku­men­tiert werden. Die Richt­li­nie emp­fiehlt hierzu, das PDCA-Prin­zip zu nutzen.

QM-Bera­tung und Bera­ten­de Unter­stüt­zung

Kein Ver­trags­arzt oder ‑ärztin ist auf sich allein gestellt, wenn es um die pra­xis­be­zo­ge­ne Umset­zung der gesetz­li­chen Qualitäts­management-Vor­ga­ben geht. Sie können statt­des­sen jeder­zeit auf exter­ne Exper­ti­se, den fach­li­chen Rat ihrer Kas­sen­ärzt­li­chen oder Kas­sen­zahn­ärzt­li­chen Ver­ei­ni­gun­gen zurück­grei­fen.

Ergän­zen­de Richt­li­ni­en für Arzt- und Zahn­arzt­pra­xen

Koope­ra­ti­ons­for­men

Sind Medi­zi­ner/-innen in einer Koope­ra­ti­ons­form ver­trags­ärzt­lich tätig, bei­spiels­wei­se in einer Berufs­aus­übungs­ge­mein­schaft, gelten die bereits genann­ten Rah­men­an­for­de­run­gen an das ein­heits­in­ter­ne Qualitäts­management in vollem Umfang. Die Vor­ga­ben betref­fen dann aber nicht den ein­zel­nen Ver­trags­arzt oder die ‑ärztin, son­dern bezie­hen sich auf die Koope­ra­ti­ons­form als Ganzes. Daher ist die Dele­ga­ti­on an qua­li­fi­zier­te Mit­ar­bei­ter oder eine exter­ne QM-Bera­tung in jedem Fall sinn­voll.

Auch bei diesen Ein­rich­tun­gen ist sicher­zu­stel­len, dass alle rele­van­ten Pro­zes­se und Struk­tu­ren umge­setzt werden. Das gilt vor allem für Maß­nah­men, die einen Bezug zur Pati­en­ten­ver­sor­gung beinhal­ten.

Zeit­rah­men für die Umset­zung des QM

Ist eine Ärzte- oder Zahn­ärz­te­ko­ope­ra­ti­on neu zuge­las­sen, greift die bereits erwähn­te Frist von drei Jahren, um die vor­ge­ge­be­nen Qua­li­täts­in­stru­men­te zu imple­men­tie­ren.

Ver­ant­wort­lich­kei­ten für das QM

Bei meh­re­ren Ver­trags­ärz­ten oder ‑ärz­tin­nen in einer Ein­heit sollte eine Person die offi­zi­el­le Zustän­dig­keit für das Qualitäts­management erhal­ten. Wei­ter­hin ist es inner­halb des Mit­ar­bei­ter­teams zweck­mä­ßig und erwünscht, eine Koor­di­na­to­rin oder einen Koor­di­na­tor für die Qua­li­täts­the­men zu benen­nen.

Ergän­zend zu den bei Arzt- und Zahn­arzt­pra­xen bereits genann­ten Vor­ga­ben sind für Ver­trags­zahn­ärz­te außer­dem diese gesetz­li­chen und ver­trag­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen zu beach­ten (Teil B III. § 3 QM-RL):

  • All­ge­mei­ne Behand­lungs­richt­li­ni­en
  • IP‑, FU‑, ZE‑, Fest­zu­schuss- und KFO-Richt­li­ni­en
  • Bun­des­man­tel­ver­trä­ge BMV‑Z / EKV‑Z
  • Rönt­gen­ver­ord­nung
  • Vor­ga­ben zur Ein­hal­tung von Hygie­ne­maß­nah­men für Zahn­arzt­pra­xen

Als wei­te­re Maß­nah­me zur Qua­li­täts­si­che­rung emp­fiehlt die Richt­li­nie, ein Pra­xis­hand­buch (als Manual oder EDV-gestützt) mit allen wich­ti­gen Regeln der zahn­ärzt­li­chen Ein­rich­tung zu führen und lau­fend zu aktua­li­sie­ren.

QM, Hygie­ne und Daten­schutz aus einer Hand

Die Anfor­de­run­gen an die Umset­zung des aktu­ell gül­ti­gen Qua­li­täts­ma­nage­ments für Arzt- und Zahn­arzt­pra­xen werden anhand der vor­lie­gen­den Zusam­men­fas­sung wesent­lich trans­pa­ren­ter. Anhand der Zusam­men­fas­sung haben Sie sicher­lich fest­ge­stellt, dass ein pra­xis­taug­li­ches QM mehr als die Doku­men­ta­ti­on von Abläu­fen ist. So gehört ein ordent­li­ches Hygie­nema­nage­ment ebenso zum QM, wie der Daten­schutz.

Soll­ten Sie Fragen, Anre­gun­gen oder Ergän­zun­gen haben oder Unter­stüt­zung bei der Umset­zung eines QM in Ihrer Praxis benö­ti­gen, melden Sich sich gerne bei uns. Wir freuen uns auf Ihre Anfra­ge.