Arbeits­schutz im Gesund­heits­we­sen: Ein­satz­zei­ten und Betreu­ungs­mo­del­le für Praxen und Pflegeheime

In der Arzt­pra­xis und in Pfle­ge­hei­men steht die Gesund­heit der Pati­en­ten und Bewoh­ner an obers­ter Stelle. Der Inha­ber oder die Geschäfts­füh­rung der Praxis und des Pfle­ge­heims sind ver­ant­wort­lich für die Gesund­heit dieser.

Jedoch ist es nicht nur die Gesund­heit der Pati­en­ten und Bewoh­ner, son­dern auch die Gesund­heit der Ange­stell­ten die obers­te Prio­ri­tät hat. In vielen Arzt­pra­xen und Pfle­ge­hei­men sind große Defi­zi­te im Bereich Arbeits- und Gesund­heits­schutz vor­zu­fin­den. Das gilt sogar für ein­fa­che Basis­maß­nah­men wie bei­spiels­wei­se die Durch­füh­rung und Doku­men­ta­ti­on der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung. Diese ist seit 1996 verpflichtend.

Doch was sind Gründe für die unvoll­stän­di­ge Umset­zung von gel­ten­den Arbeits­schutz-Vor­schrif­ten, wo liegen die mög­li­chen Gefah­ren in Arzt­pra­xen und Pfle­ge­hei­men, welche Formen von Arbeits­schutz­be­treu­ung gibt es eigent­lich und wie ent­steht eine Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung? Wir klären euch in diesem Arti­kel auf!

Gründe für die unvoll­stän­di­ge Umset­zung der Arbeitsschutz-Vorschriften

Die Gründe für die unvoll­stän­di­ge Umset­zung der Arbeits­schutz-Vor­schrif­ten sind viel­fäl­tig. Vielen Ärzten oder Ein­rich­tungs­lei­tun­gen sind die aktu­el­len Pflich­ten nicht bekannt oder die Ver­ant­wort­li­chen haben neben dem All­tags­be­trieb keine Zeit, um auch noch eine Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung zu ver­fas­sen und sich zusätz­lich um die Wei­ter­ent­wick­lung der Arbeits- und Gesund­heits­schut­zes zu küm­mern. Dabei steigt die Ver­ant­wor­tung für die Unter­neh­mens­lei­tung immer mehr, wodurch sich das Haf­tungs­ri­si­ko erhöht.

Gefähr­dun­gen in Arzt­pra­xen und Pflegeheimen

Die gän­gigs­ten Risi­ken in Arzt­pra­xen sowie Pfle­ge­hei­men sind:

  • Infek­tio­nen: Immer wieder kommt es zu Infek­tio­nen der Ange­stell­ten in Arzt­pra­xen und Pfle­ge­hei­men mit HIV, Hepa­ti­tis B, C oder ande­ren Infek­ti­ons­krank­hei­ten. Das geschieht unter ande­rem durch Ver­let­zun­gen an Kanü­len, Spit­zen Gegen­stän­den oder durch feh­len­de oder unsach­ge­mäß getra­ge­ne Per­sön­li­che Schutz­aus­rüs­tung. Neben Schu­lungs­maß­nah­men ist hier vor allem eine rich­tig Ana­ly­se der Gefähr­dun­gen sinn­voll, um die rich­ti­gen Maß­nah­men ablei­ten zu können.
  • Haut­er­kran­kun­gen: Haut­er­kran­kun­gen betref­fen hier­bei meist die Hände. Häu­fi­ges Hän­de­des­in­fek­ti­on, regel­mä­ßi­ges Hän­de­wa­schen, das Schwit­zen in Hand­schu­hen oder auch der Kon­takt mit che­mi­schen Sub­stan­zen belas­ten die Hände enorm. Maß­nah­men zum Schutz der Hände sind bei­spiels­wei­se Des­in­fek­ti­ons­mit­tel, anstatt stän­di­ges Hän­de­wa­schen oder regel­mä­ßi­ge Pausen in der Tätig­keit, um den Händen die Gele­gen­heit zu geben, sich zu erholen.
  • Arbeits­un­fäl­le: Wie bei jedem ande­ren Arbeits­platz auch, kann es auch in Arzt­pra­xen und Pfle­ge­hei­men zu Unfäl­len durch Aus­rut­schen, Stür­zen oder Umkni­cken kommen. Es sollte darauf geach­tet werden, des es keine nassen Stel­len in den Fluren gibt oder gene­rell Dinge im Weg herumstehen.
  • Psy­chi­sche Belas­tung: Die aller­meis­ten Ein­rich­tun­gen im Gesund­heits­we­sen haben nicht zu wenig Pati­en­ten oder Bewoh­ner, son­dern zu viel. Dar­über hinaus ist die Arbeits­or­ga­ni­sa­ti­on an vielen Stel­len ver­bes­se­rungs­wür­dig. Die Erfas­sung und Beur­tei­lung der psy­chi­schen Belas­tun­gen sind wich­ti­ge Schrit­te zu kon­kre­ten und oft ein­fa­chen / kos­ten­güns­ti­gen Lösung.

Die Arbeits­schutz­be­treu­ung für Arzt­pra­xen und Pflegeheime

Für die gesetz­lich vor­ge­schrie­be­ne betriebs­ärzt­li­che und sicher­heits­tech­ni­sche Betreu­ung gibt es zwei ver­schie­de­ne Model­le: Die Regel­be­treu­ung oder alter­na­ti­ve Betreuung.

Betrie­be mit bis zu zehn Beschäf­tig­ten können bei der Regel­be­treu­ung wählen. All­ge­mein kennt die DGUV Vor­schrift 2 dabei drei ver­schie­de­ne Formen, die je nach Betriebs­grö­ße aus­ge­wählt werden können. 

Unter­neh­men (Arzt­pra­xen / Pfle­ge­hei­me) die Mit­ar­bei­ter beschäf­ti­gen, müssen sich im Arbeits­schutz durch einen Betriebs­arzt und einer Fach­kraft für Arbeits­kraft bera­ten lassen. Die Exper­ten können, je nach gewähl­ter Betreu­ungs­form, regel­mä­ßig oder zu bestimm­ten Anläs­sen hin­zu­ge­zo­gen werden. Die Betriebs­ärz­te und Fach­kräf­te für Arbeits­si­cher­heit sind in der Regel nur in großen Unter­neh­men bzw. Arzt­pra­xen oder Pfle­ge­hei­men fest angestellt.

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Als erfah­re­ne Bera­ter im Gesund­heits­we­sen unter­stüt­zen wir Sie gerne im Arbeits- und Gesundheitsschutz.

Die betriebs­ärzt­li­che Betreu­ung – Auf­ga­ben und die rich­ti­ge Wahl

Der Betriebs­arzt (BA) unter­stützt die Arzt­pra­xen und Pfle­ge­hei­me, für die er tätig ist, in allen Fragen des Arbeits­schut­zes und Gesund­heits­schut­zes. Des Wei­te­ren hilft er bei der Orga­ni­sa­ti­on der Ersten Hilfe und ermit­telt unter ande­rem, wel­chen Ein­fluss die Arbeits­be­din­gun­gen in der Praxis / Pfle­ge­heim auf die Gesund­heit der Ange­stell­ten haben. Auch die Bera­tung der Ange­stell­ten und des Unter­neh­mers bei der arbeits­me­di­zi­ni­schen Vor­sor­ge gehö­ren zu seinem Auf­ga­ben­feld. Die arbeits­me­di­zi­ni­sche Vor­sor­ge betrifft bei­spiels­wei­se die dro­hen­de Gesund­heits­ge­fahr durch gefähr­li­che Stoffe, Lärm, Infek­tio­nen, Stress oder auch Such­ter­kran­kun­gen. Der Betriebs­arzt doku­men­tiert seine Tätig­keit und führt die arbeits­me­di­zi­ni­schen Vor­sor­ge­un­ter­su­chun­gen durch. 

Nach dem Arbeits­si­cher­heits­ge­setz (ASiG) sind nur Fach­ärz­te für Arbeits­me­di­zin oder Ärzte mit der Zusatz­be­zeich­nung “Betriebs­me­di­zin“ als Betriebs­ärz­te zuge­las­sen. Bei der Wahl des Betriebs­arz­tes sollte auf bran­chen­spe­zi­fi­sche Erfah­rung, per­sön­li­che Betreu­ung und eine gute Erreich­bar­keit geach­tet werden.

Die sicher­heits­tech­ni­sche Betreu­ung – Auf­ga­ben und die rich­ti­ge Wahl

Die Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit unter­stützt die Arzt­pra­xis und das Pfle­ge­heim, wie es im Arbeits­si­cher­heits­ge­setz (ASiG) fest­ge­setzt ist, in allen Fragen der Arbeits­si­cher­heit und der Unfall­ver­hü­tung. Die Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit hilft unter ande­rem dabei, Gefähr­dun­gen im Betrieb auf­zu­de­cken, sie zu redu­zie­ren und im besten Fall sogar ganz abzu­stel­len. Der Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit (Sifa) kommt auch eine bera­ten­de Auf­ga­be bei sicher­heits­re­le­van­ten Fragen und Anläs­sen zu, bei­spiels­wei­se wenn Arbeits­plät­ze neu­ge­stal­tet werden oder auch neue beson­de­re Geräte oder Maschi­nen ange­schafft werden. Die Fach­kraft besucht die Arzt­pra­xis oder das Pfle­ge­heim regel­mä­ßig oder zu bestimm­ten Anläs­sen, je nach Betreu­ungs­form, und doku­men­tiert die Tätigkeit.

Die Arzt­pra­xen oder Pfle­ge­hei­me können ent­we­der eine frei­be­ruf­li­che Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit oder einen sicher­heits­tech­ni­schen Dienst beschäf­ti­gen. Große Betrie­be haben auch die Mög­lich­keit einen eige­nen Mit­ar­bei­ter zur Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit aus­bil­den zu lassen oder einen eben sol­chen Mit­ar­bei­ter ein­zu­stel­len. Dies ist auf­grund der not­wen­di­gen Vor­qua­li­fi­ka­ti­on sowie der Aus­bil­dungs­dau­er in der Regel weder für Arzt­pra­xen noch für Pfle­ge­hei­me sinnvoll.

Betreu­ungs­for­men der Arbeits­schutz­be­treu­ung in Arzt­pra­xen und Pflegeheimen

Wie oben bereits beschrie­ben hat der Unter­neh­mer die Wahl zwi­schen ver­schie­de­nen Betreu­ungs­for­men: Zum einen der Regel­be­treu­ung und zum ande­ren der alter­na­ti­ven Betreuung.

Die Regel­be­treu­ung selbst weist je nach Betriebs­grö­ße zwei unter­schied­li­che Vari­an­ten auf. Es gibt die Regel­be­treu­ung für Betrie­ben mit bis zu zehn Beschäf­tig­ten und die Regel­be­treu­ung für Betrie­be mit mehr als zehn Beschäf­tig­ten. Die alter­na­ti­ve Betreu­ung eignet sich für Betrie­ben mit bis zu 50 Beschäf­tig­ten, die sich im Arbeits­schutz stär­ker enga­gie­ren wollen. Die hier fol­gen­de Grafik zeigt die Mög­lich­kei­ten für Betrie­be, die bei der Berufs­ge­nos­sen­schaft für Gesund­heits­dienst und Wohl­fahrts­pfle­ge (BGW) ver­si­chert sind. Das dürfte somit auf alle Arzt­pra­xen und Pfle­ge­hei­me zutreffen.

Betreuungsmöglichkeiten der Fachkraft für Arbeitssicherheit / Betriebsarzt für Pflegeheime und Arztpraxen

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